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Persönlichkeitsentwicklung für Lehrkräfte: Warum innere Haltung den Unterschied macht


Persönlichkeitsentwicklung für Lehrkräfte: Lehrerin in ruhiger, zugewandter Haltung im Gespräch mit einem Kind
Persönlichkeitsentwicklung für Lehrkräfte: Lehrerin in ruhiger, zugewandter Haltung im Gespräch mit einem Kind

Das Wichtigste in Kürze

  • Persönlichkeitsentwicklung für Lehrkräfte bedeutet nicht Selbstoptimierung, sondern Selbstwahrnehmung, Selbstführung und Beziehungskompetenz.

  • Kinder reagieren weniger auf Methoden als auf die innere Haltung, Sprache und Präsenz der Erwachsenen.

  • Studien (Cornelius White, OECD TALIS, Harvard, Dreer) bestätigen: Beziehung, Selbstwirksamkeit und Lehrerwohlbefinden hängen eng mit gelingendem Lernen zusammen.

  • Sechs Bausteine gehören dazu: Wertearbeit, Kommunikation, Selbstreflexion, Grenzen, Konfliktfähigkeit und Ressourcen.

  • Die gute Nachricht: Innere Orientierung lässt sich entwickeln, Schritt für Schritt.


Gegen Ende eines Schuljahres, als ich nach der Mutterschaft wieder in den Dienst einstieg, bekam ich eine besondere Aufgabe. Ich sollte einen Schüler eins zu eins begleiten. Einen, der als schwierig galt. Immer dann, wenn er ausfällig wurde, respektlos gegenüber anderen Kindern oder Lehrpersonen, sollte ich da sein und dafür sorgen, dass nichts eskaliert.

Ich habe ihn begleitet. Und ich habe etwas beobachtet. Bei manchen Lehrpersonen wurde er provokant. Bei anderen arbeitete er mit. Derselbe Junge, ein völlig anderes Verhalten. Ich habe mich gefragt: Wie kommt das? Was macht den Unterschied?


Meine Antwort nach vielen Jahren mit Kindern und Erwachsenen: Es ist die innere Haltung. Und genau darum geht es, wenn ich von Persönlichkeitsentwicklung für Lehrkräfte spreche.

 

Irgendwann saßen wir zu zweit. Reflexion über unangebrachtes Verhalten war angesagt. Er sah mich an und sagte in einem gereizten Ton: „Sie sind auch nur so eine Lehrperson."

Ich habe nicht dagegengehalten und geantwortet: „Ich bin nicht nur eine Lehrperson. Ich bin die Frau meines Mannes. Ich bin die Mutter meiner Kinder. Ich bin die Tochter meiner Mutter." Ich habe ihm von den vielen Rollen erzählt, die ich lebe.

Und da kippte etwas. Er sah mich nicht mehr als jemand Unerreichbaren. Er merkte: Auch meine Kinder gehen manchmal zu spät ins Bett, weil sie einen tollen Film schauen. Auch meine Kinder sind dann am nächsten Tag müde. So wie er.

Und wir redeten über unsere bevorzugten Sportarten, wie es in der Arbeitsanweisung während des Italienisch-Unterrichts vorgesehen war. Dabei erzählte er sogar von seinem großen Traum einmal Fußballer zu werden.

Diese Nähe hat etwas möglich gemacht. Der Junge hat sich bis zum Schulende gut in die Klasse integriert. Er hat sogar mit seinem größten Widersacher Frieden geschlossen. Und es kam zu keinem einzigen Gewaltausbruch mehr. Für mich war das ein großer, ein wirklich großer Erfolg.

 

Nicht meine Methode hat das bewirkt. Sondern meine Haltung. Und die Bereitschaft, mich als Mensch zu zeigen.



Was meint Persönlichkeitsentwicklung wirklich?


Persönlichkeitsentwicklung für Lehrkräfte ist die bewusste Arbeit an Selbstwahrnehmung, Selbstführung und Beziehungskompetenz, nicht das Optimieren der eigenen Person.

Ich meine nicht, dass du an dir herumschraubst, bis du besser funktionierst. Es geht nicht darum, mehr zu leisten, schneller zu sein oder eine perfektere Version von dir zu werden.

Persönlichkeitsentwicklung heißt etwas anderes.

 

Selbstwahrnehmung

Zu spüren, was gerade in mir vorgeht. Was mich berührt, was mich reizt, was mich ruhig macht.

Selbstführung

Nicht von jeder Regung mitgerissen zu werden, sondern bewusst zu wählen, wie ich reagiere.

Beziehungskompetenz

In Kontakt bleiben zu können, auch wenn es schwierig wird. Bei mir bleiben und trotzdem beim Anderen sein.

 

Es geht nicht darum, ein anderer Mensch zu werden. Es geht darum, mehr bei sich selbst anzukommen.


Warum ist Persönlichkeitsentwicklung für Menschen, die mit Menschen arbeiten, so wichtig?


Wer mit Menschen arbeitet, wirkt nicht nur durch das, was er sagt oder tut. Er wirkt durch seine Haltung. Durch seine Sprache. Durch seine Präsenz. Durch die Art, wie er Beziehung gestaltet.

Kinder spüren das sofort. Klientinnen spüren das. Kolleginnen auch. Wir alle und die noch nicht genannten Personen- und Berufsgruppen spüren, ob jemand wirklich da ist oder nur seine Rolle abspult.

 

Und genau deshalb ist die eigene Persönlichkeit kein weiches Zusatzthema. Sie ist das eigentliche Werkzeug.


Als Lehrperson trage ich sehr viel in den Raum hinein. Meine innere Ruhe oder meine Anspannung. Meine Klarheit oder meine Unsicherheit.

Das zeigt sich in der Klassenführung. Es zeigt sich in der Beziehung zu den Kindern. Es zeigt sich in der Kommunikation, gerade in schwierigen Gesprächen. Es zeigt sich im Umgang mit Druck, den es in der Schule reichlich gibt. Und es zeigt sich in der Elternarbeit, wo oft viel Emotion mitschwingt.


Lehrperson, Mutter und Schülerin in einem wertschätzenden Gespräch
Lehrperson, Mutter und Schülerin in einem wertschätzenden Gespräch

Eine Metaanalyse von Cornelius White zeigt: Positive Lehrer Schüler Beziehungen sind kein „weicher Zusatz“, sondern lernrelevant. Die Auswertung von 119 Studien mit 355.325 Schülerinnen und Schülern fand messbare Zusammenhänge zwischen lernzentrierten Beziehungen und besseren kognitiven, emotionalen und verhaltensbezogenen Lernergebnissen.

Beziehung ist also nicht weich. Beziehung ist lernrelevant. Und Beziehung entsteht nicht durch eine Technik, sondern durch einen Menschen, der präsent und stimmig ist.


Als Lehrperson und auch als Mutter oder Vater wirke ich nicht in erster Linie durch das, was ich sage. Ich wirke durch das, was ich vorlebe.

Kinder lernen emotionale Regulation, indem sie erleben, wie ich mit meinen eigenen Gefühlen umgehe. Sie entwickeln sich in Bindung, nicht durch Erziehungstechniken allein. Das Center on the Developing Child in Harvard beschreibt das mit dem Bild von „serve and return", also das feine Hin und Her aus Signal und Antwort zwischen Kind und Bezugsperson, feinfühlige, wechselseitige Momente, die für die Entwicklung eines Kindes wichtiger sind als jede Methode.

 

Kinder brauchen Grenzen. Und sie brauchen Werte, die sie an mir ablesen können. Eine Studie zu einem autoritativen, also warmen und zugleich klaren Erziehungsstil fand Zusammenhänge mit besserer Entwicklung. Wärme und Klarheit gehören zusammen. Beides gleichzeitig zu leben, das braucht innere Sicherheit.


Warum gehört Persönlichkeitsentwicklung in die Ausbildung?


Persönlichkeitsentwicklung ist kein Luxus für ruhige Zeiten. Sie ist das Fundament.

Das meine ich nicht als Drohung. Ich meine es als Einladung.

Die Lehrpersonen und pädagogische Fachkräfte werden an den Universitäten ausgebildet. Fachlich. Didaktisch. Methodisch. Das ist wichtig und richtig. 

Aber es reicht nicht.


  1. Selbstführung

Denn fachliche Kompetenz allein trägt nicht, wenn die Selbstführung im Schulalltagfehlt. Wer innerlich unter Druck steht, hilflos oder ausgebrannt ist, kann noch so viel Methodenwissen haben. In der Beziehung zum Kind kommt es nicht darauf an.

Die OECD beschreibt in ihrer großen Lehrkräftebefragung TALIS, wie eng die Selbstwirksamkeit von Lehrpersonen mit gelingender Klassenführung zusammenhängt. Selbstwirksamkeit ist also keine schöne Zusatzqualität. Sie wirkt direkt in die Unterrichtsqualität hinein.

 

  1. Selbstfürsorge

Wer dauerhaft mit Menschen arbeitet, gibt viel. Aufmerksamkeit, Geduld, Präsenz. Das ist wertvoll. Und es kostet Kraft.

Selbstfürsorge heißt, die eigenen Kraftquellen nicht zu vergessen. Zu wissen, was mich trägt. Und es mir auch zu geben, bevor der Tank leer ist.

Eine Übersichtsarbeit von Dreer zeigt, dass das Wohlbefinden von Lehrkräften mit vielen wünschenswerten Ergebnissen zusammenhängt. Umgekehrt zeigen Studien zu Belastung und Burnout: Die Erschöpfung von Lehrpersonen bleibt nicht bei ihnen. Sie wirkt sich auch auf die Kinder aus.

Wer für andere da sein will, darf also zuerst für sich selbst da sein. Nicht aus Egoismus. Sondern weil sonst irgendwann nichts mehr zum Weitergeben da ist.


  1. innere Stabilität

Es gibt noch etwas, das über die reine Fürsorge hinausgeht. Innere Stabilität.

Innere Stabilität heißt nicht, dass mich nichts mehr berührt. Sie heißt, dass ich mich nicht verliere, wenn es laut wird. Wenn ein Kind provoziert. Wenn ein Gespräch kippt. Wenn der Druck steigt.

Kinder spüren sehr genau, ob die erwachsene Person in sich ruht oder selbst ins Wanken gerät. Ein Kind, das gerade die Kontrolle verliert, braucht kein Gegenüber, das mitzittert. Es braucht einen ruhigen Pol. Einen Menschen, der bleibt.

Genau das habe ich bei dem Jungen damals erlebt. Nicht meine Methode hat ihn erreicht. Sondern dass ich ruhig geblieben bin, als er es nicht war.

Innere Stabilität wächst aus innerer Sicherheit. Wie du sie Schritt für Schritt aufbaust, habe ich hier beschrieben.



Was gehört konkret zur Persönlichkeitsentwicklung?


Vielleicht fragst du dich jetzt, was das praktisch bedeutet. Woran arbeitet man, wenn man an der eigenen Persönlichkeit arbeitet?

 

Für mich gehören diese Bausteine dazu:

Wertearbeit

Zu wissen, wofür ich eigentlich stehe. Denn wer seine Werte kennt, hat in schwierigen Momenten einen inneren Kompass.


Kommunikation

Klar sprechen können, ohne hart zu werden. Zuhören können, ohne mich zu verlieren.


Selbstreflexion

Immer wieder innehalten und fragen: Was passiert gerade in mir? Und warum reagiere ich so?

Grenzen

Nein sagen können, ohne ein schlechtes Gewissen. Bei mir bleiben, auch wenn andere etwas anderes von mir wollen.

Konfliktfähigkeit

In einer Spannung bleiben können, ohne sofort zu kämpfen oder zu fliehen.


Ressourcen

Wissen, was mir Kraft gibt. Und diese Kraftquellen bewusst pflegen.

 

Übersicht der sechs Bausteine der Persönlichkeitsentwicklung



Lehrperson auf dem Weg
Lehrperson auf dem Weg

Das ist viel. Und es ist ein Weg, kein Zustand. 

Genau hier setzen Coaching und NLP-Werkzeuge an. Im Coaching kannst du deine Themen sortieren und alte Muster erkennen, die dich immer wieder in dieselbe Reaktion ziehen. NLP gibt dir dazu konkrete Werkzeuge an die Hand. Du lernst, deine Sprache bewusster zu nutzen, im Außen und im Inneren. Du lernst, deine Ressourcen zu stärken und deinen Handlungsspielraum zu erweitern. Also nicht ein Problem wegzumachen, sondern mehr Möglichkeiten zu haben, wie du reagieren kannst.



Fazit

Der Junge damals hat mir etwas gezeigt, das ich nie vergessen habe. Er hat sich nicht verändert, weil ich eine bessere Methode hatte. Er hat sich verändert, weil ich als Mensch greifbar wurde.

 

Wer andere stärken will, braucht selbst innere Orientierung.

Das gilt für Lehrpersonen. Es gilt für Eltern. Es gilt für alle, die mit Menschen arbeiten. Wir können nur so viel Klarheit, Sicherheit und Verbindung weitergeben, wie wir selbst in uns tragen.

Und die gute Nachricht ist: Das lässt sich entwickeln. Schritt für Schritt.

 

 

In meinen NLP-Ausbildungen, die ich gemeinsam mit Ernst Tappeiner leite, geht es genau darum. Du lernst wirksame Methoden für Kommunikation, Selbstführung und Veränderung. Für dich selbst. Und für deine Arbeit mit Menschen.

 

Wenn du spürst, dass du in deinem Alltag viel für andere da bist und selbst wieder mehr innere Klarheit, Sicherheit und Leichtigkeit finden möchtest, begleite ich dich gerne. Im Coaching kannst du deine persönlichen Themen sortieren und neue Handlungsmöglichkeiten entwickeln. In der NLP-Ausbildung lernst du darüber hinaus, wie du diese innere Arbeit auch für andere Menschen möglich machst.

 

Vielleicht ist genau jetzt ein guter Moment für einen ersten kleinen Schritt.



FAQ-Box 


Was bedeutet Persönlichkeitsentwicklung für Lehrkräfte?Persönlichkeitsentwicklung für Lehrkräfte meint die bewusste Arbeit an der eigenen inneren Haltung: Selbstwahrnehmung, Selbstführung und Beziehungskompetenz. Es geht nicht darum, sich zu optimieren, sondern darum, als Mensch klar und greifbar zu werden.

Warum ist die innere Haltung im Unterricht so wichtig?

Kinder reagieren weniger auf Methoden als auf Präsenz, Sprache und Haltung. Dieselbe Situation kann eskalieren oder gelingen, je nachdem, wie sicher und klar die erwachsene Person in sich ruht.

Kann man Persönlichkeitsentwicklung lernen?

Ja. Innere Orientierung ist keine feste Eigenschaft, sondern entwickelt sich Schritt für Schritt, über Selbstreflexion, Wertearbeit, Kommunikation und das bewusste Pflegen der eigenen Ressourcen.

Was gehört konkret zur Persönlichkeitsentwicklung von Lehrkräften und Eltern?Sechs Bausteine: Wertearbeit, Kommunikation, Selbstreflexion, Grenzen setzen, Konfliktfähigkeit und der Umgang mit den eigenen Kraftquellen.

Gilt das nur für Lehrkräfte?

Nein. Es gilt für alle, die mit Menschen arbeiten und ebenso für Eltern. Wir können nur so viel Klarheit, Sicherheit und Verbindung weitergeben, wie wir selbst in uns tragen.



Über die Autorin

Sigrid Ramoser lebt auf dem Ritten in Südtirol, auf 1300 Metern mit Blick auf die Dolomiten. Seit über 30 Jahren ist sie Grundschullehrerin. Den Schulalltag, von dem sie hier schreibt, kennt sie also von innen.

Nach einschneidenden Erfahrungen in ihrer Familie fand sie über NLP und Coaching einen Weg, eigene Unsicherheiten zu bearbeiten. Daraus wuchs ihre Überzeugung: Wer an der eigenen Persönlichkeit arbeitet, kann Kinder auf Herzenshöhe begleiten.

Heute ist Sigrid zertifizierte NLP-Lehrtrainerin (DVNLP) und Coach. Sie begleitet Pädagoginnen, Eltern und Erwachsene in Einzel- und Teamcoachings, Workshops und Ausbildungen.

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